Schweriner Sprinttalent Patrick Kuhn beginnt Lehre in Fleischerei

Die "Fleischerei Lange" ist eine Institution in der Landeshauptstadt. 87 Mitarbeiter bieten in acht Filialen und im Partyservice von pikant bis rustikal alles an, was den Fleisch- und Wurstliebhaber mit der Zunge schnalzen lässt. Die neueste Kreation von Uwe Lange, Chef des traditionsreichen Familienbetriebes, heißt "Schweriner Knochenpeter", eine Wurst, die er zum 850. Geburtstag der Stadt kreierte. Und in diesem über 130-Jährigen Traditionsbetrieb lernt vom 1. September an das Schweriner Sprinttalent Patrick Kuhn.

Ansporn und Herausforderung für den 18-Jährigen, der vor zwei Jahren aus einem kleinen Dorf aus der Prignitz zum Schweriner SC (SSC) kam und das Sportgymnasium jetzt verließ. Schulleiter Albrecht Tischendorf hatte sich für "seinen" Schützling beim Fleischermeister eingesetzt. "Patrick hat uns im Praktikum durch seinen Einsatz und seine Leistungen überzeugt, so dass wir ihm die Chance geben, in drei Jahren den Beruf des Fleischers zu erlernen", sagt der 48-Jährige Chef des mittelständischen Unternehmens, dass er seit 1994 leitet.

"Wir sind uns mit Patrick einig, dass die Lehre kein Zuckerlecken wird. Wie im Sport erwarten wir von ihm im theoretischen und praktischen Teil der Ausbildung gute Leistungen. Wir werden seinen sportlichen Weg unterstützen, indem er von Montag bis Freitag arbeitet und dann das Wochenende für Wettkämpfe frei hat. Es wird ein Geben und Nehmen sein: Strengt er sich an, kommen wir ihm noch weiter entgegen", betont der Vater zweier Kinder, die ebenfalls am Sportgymnasium lernen und im Handball beziehungsweise Schwimmen aktiv sind.

Sein Engagement für den Nachwuchs Leistungssport – Lange sponsert noch den Nachwuchs der Post-Handballer – begründet er mit der Erfahrung: "Junge Leute müssen gefordert, aber auch gefördert werden. Leistungssport ist sehr gut für die Ausprägung von Disziplin, Fairness und anderen wichtigen Eigenschaften."
Patrick, der gerade von den U20-Weltmeisterschaften aus Kanada zurückkam, wo er mit der deutschen 4 x 100 Meter Staffel den fünften Platz belegte, ist glücklich, dass er den Lehrvertrag unterschreiben konnte.

"Im Praktikum habe ich gemerkt, dass mir die Arbeit Spaß macht. Außerdem fühlte ich mich wohl unter den anderen Angestellten der Firma. Ich weiß, dass das eine ausgezeichnete Chance ist, meine berufliche Zukunft zu sichern. Und auch im Sprint will ich es ja noch zu etwas bringen, trotz der Umstellung von der Schule auf den Beruf. Jeden Morgen um 5.50 Uhr in der Fleischerei anzutreten, dann zu arbeiten und danach zu trainieren, wird bestimmt nicht leicht. Aber ich gehe in die Lehre mit dem gleichen Biss wie in den Leistungssport."

Die Verantwortlichen der Leichtathletiksektion des SSC sind froh, dass ihr größtes Talent eine Lehrstelle gefunden hat und es damit in Schwerin bleibt. Vereinsvorsitzender Gerd Wessig bedankte sich ausdrücklich für das Entgegenkommen des Fleischermeisters, Patrick in die Lehre zu nehmen. "Die meisten unserer Talente gingen weg, wenn sie in Patricks Alter sind. Entweder sie studieren oder lernen in anderen Städten und Bundesländern, weil sie hier keine Perspektiven finden."

Patricks Trainer Andreas Rändler kann nun seinen Schützling weiter betreuen. "Ich werde der Verbindungsmann zwischen Patrick und dem Ausbildungsbetrieb sein. Uwe Lange ist kein Mann der vielen Worte, aber wir sind überzeugt, dass er Verständnis für Patricks sportliche Probleme aufbringt, und hält was er verspricht. Das heißt auch, dass er sich für Patricks sportlichen Werdegang interessieren wird. Und damit ist sehr viel gewonnen."

Patrick Kuhn wird nun am kommenden Wochenende bei den Deutschen Jugendmeisterschaften starten. Der Abschluss seines Lehrvertrages kurz vorher hat ihn noch einmal motiviert: "Ich werde über 100 Meter und 200 Meter alles geben, um mich ganz vorn einzureihen." Aber danach ist endlich Urlaub und Erholung angesagt, bevor er am 1. September um 5.50 Uhr bei Fleischer Lange in die Ausbildung startet.

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